Espresso, Filter oder French Press: Was im Körper ankommt

Zwei Tassen aus denselben Bohnen können deinem Körper unterschiedliche Stoffe liefern. Mahlgrad, Wassertemperatur, Druck, Kontaktzeit und die Frage, ob ein Papierfilter dazwischen liegt, verändern, was in der Tasse landet. Eine Übersichtsarbeit, die im September in der Fachzeitschrift Metabolites erschien und über die News-Medical am 28. September berichtete, verfolgt den Weg des Kaffees durch den Körper: Was früh aufgenommen wird, was den Dickdarm erreicht und was die Darmbakterien daraus machen. Forschende der Xi'an-Jiaotong-Universität in China haben den aktuellen Wissensstand zusammengetragen. Gerade weil sie vorsichtig formulieren, lohnt sich der Blick hinein. Manches zu Zubereitung und Gesundheit ist gut belegt, anderes bleibt eine vielversprechende Idee.

Was aufgenommen wird und was weiterwandert

Kaffee enthält weit mehr als Koffein: dazu gehören Chlorogensäuren, das Alkaloid Trigonellin, die Diterpene Cafestol und Kahweol, unverdauliche Fasern sowie die beim Rösten entstehenden Melanoidine. Koffein ist der einfache Teil. Es wird im oberen Verdauungstrakt rasch aufgenommen und in der Leber, vor allem über das Enzym CYP1A2, zu Paraxanthin, Theobromin und Theophyllin abgebaut. Weil das so früh geschieht, wirkt Koffein laut der Arbeit wohl nur indirekt auf die Darmbakterien.

Vieles andere nimmt einen längeren Weg. Ein grosser Teil der Chlorogensäuren, der wichtigsten Polyphenole im Kaffee, entgeht der Aufnahme im Dünndarm und gelangt in den Dickdarm. Dort helfen Bakterien wie Eubacterium ramulus und Bifidobacterium, sie in kleinere Phenolsäuren zu zerlegen, von denen einige dann aufgenommen werden. Die Zellwandfasern der Bohne, Galaktomannane und Arabinogalaktane, vergären Darmmikroben zu kurzkettigen Fettsäuren, in Laborversuchen etwa zu Butyrat, Acetat und Propionat. Beim Rösten entstehen zudem Melanoidine, grosse braune Verbindungen aus der Maillard-Reaktion, die teilweise ebenfalls bis in den Dickdarm kommen.

Wo die Zubereitung ins Spiel kommt

Als Einflussfaktoren auf die Extraktion nennen die Autoren Wassertemperatur, Kontaktzeit, Druck, Mahlgrad und Filtration. Espresso, Filterkaffee, French Press, gekochter Kaffee, Cold Brew und Instantkaffee dürften deinen Darmbakterien also unterschiedliche Mischungen dieser Stoffe liefern.

Dann folgt der ehrliche Teil: Laut der Übersichtsarbeit hat bisher keine Zubereitungsart beim Menschen einen beständigen Nutzen für Darmflora oder Stoffwechsel gezeigt. Der Mechanismus ist plausibel, bewiesen ist er beim Menschen nicht.

Die Übersichtsarbeit beschreibt noch einen zweiten möglichen Weg über die Gallensäuren. Darmbakterien wandeln die Gallensäuren aus der Leber in andere Formen um. Diese wirken auf Rezeptoren namens FXR und TGR5, die Stoffwechsel und Immunantwort mitsteuern. TGR5 kann die Ausschüttung von GLP-1 beeinflussen, einem Hormon, das an der Blutzuckerregulation beteiligt ist. In Tierversuchen veränderten Chlorogensäuren oder Koffein Teile des Gallensäure-Stoffwechsels. Klinische Studien, die zeigen, dass Kaffee beim Menschen über diese Wege wirkt, gibt es bisher kaum.

Die Frage nach dem Papierfilter

Ein Effekt der Zubereitung ist dagegen gut belegt. Papierfilter verringern Cafestol und Kahweol, zwei Kaffeeöle, im Vergleich zu ungefilterten Methoden wie French Press oder gekochtem Kaffee. Wer über längere Zeit regelmässig ungefilterten Kaffee trinkt, kann damit sein LDL-Cholesterin erhöhen.

Für die meisten ist das schlicht eine Frage der Gewohnheit. Wenn du täglich French Press trinkst und auf dein Cholesterin achten musst, lohnt es sich, einen Teil der Tassen mit Papierfilter zuzubereiten. Zum Espresso nennt die Arbeit keine Zahlen.

Was wir noch nicht wissen

Grosse Beobachtungsstudien verbinden regelmässigen Kaffeekonsum mit einem tieferen Risiko für Typ-2-Diabetes und mit besseren Leberwerten. Bei Übergewicht und Fettleber sind die Befunde uneinheitlich. Die Autoren betonen, dass diese Zusammenhänge nicht beweisen, dass die Darmbakterien den Nutzen verursachen.

Auch die Grenzen der Forschung sprechen sie offen an. Viele Labor- und Tierversuche arbeiten mit reinem Koffein, Extrakten oder Dosen, die mit einer normalen Tasse wenig zu tun haben. Studien am Menschen sind selten, oft klein, und ihre Resultate gehen auseinander. Dazu reagieren Menschen unterschiedlich, je nach Genen, Ernährung, vorhandener Darmflora und dem, was sie in den Kaffee geben. Jeder mögliche Nutzen müsse gegen Sicherheit, individuelle Empfindlichkeit und Zubereitung abgewogen werden. Künftige Studien sollen deshalb koffeinhaltigen Kaffee, entkoffeinierten Kaffee und eine Gruppe ohne Kaffee vergleichen und dabei Röstung, Zubereitung, Filtration, Menge und Zusätze genau festhalten.

Die Zubereitung zählt also, nur vielleicht anders, als manche Wellness-Schlagzeile verspricht. Für das Cholesterin macht ein Papierfilter einen klaren Unterschied. Beim Darm ist die Forschung vielversprechend, aber nicht abgeschlossen. Was du selbst in der Hand hast, ist der Kaffee. Unserer stammt aus dem Kaffa-Wald im Südwesten Äthiopiens, wo Arabica noch wild unter den Bäumen wächst. Brüh ihn so auf, wie es zu deinen Morgen und deiner Gesundheit passt, und geniess die Tasse.

Sources

Alles beginnt mit der Bohne

Ob Papierfilter, French Press oder Espressomaschine: Jede Tasse beginnt mit dem Kaffee selbst. Unserer ist wild gewachsener Arabica aus dem Kaffa-Wald, geröstet für jede Zubereitung, die zu dir passt.

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